Das Anliegen der Wohngruppe f.d.E. ist es, die BewohnerInnen als individuelle Persönlichkeiten zu sehen. Dabei werden die besonderen Bedürfnisse berücksichtigt, damit sie, so weit wie möglich, sie selber bleiben können.
Wohlbefinden und Lebensqualität
Eine qualitativ wertvolle Versorgung wird dann erreicht, wenn ein
höchstmöglicher Grad an Zufriedenheit und
Wohlbefinden bei den Bewohner/innen sich einstellt. Die Pflege und
Betreuung ist bestrebt, durch Wertschätzung den Bewohnern das
Gefühl zu vermitteln, sich aktiv und kompetent zu erleben;
Freude und Spaß zu haben, sich sicher und geborgen zu
fühlen, sozial eingebunden zu sein und ein möglichst
hohes Maß an Autonomie zu leben. Daher kommt der
Beziehungsgestaltung eine wichtige Bedeutung zu. Um Demente zu
Handlungen zu motivieren, wird von den Pflegenden Körper- und
Blickkontakt hergestellt. Die Arbeit mit Dementen ist
verrichtungsbetont und setzt ein ruhiges und entspanntes Herantasten
voraus.
Das aktive Verhalten der Bewohner/innen ist ein Hinweis auf Lebensqualität. Allen Handlungen liegt eine "Logik" zugrunde, die wir bei dementiell Erkrankten zu entschlüsseln versuchen. Bewohner/innen werden nicht zu "normalen" Verhaltensweisen gezwungen, sondern Toleranz und Akzeptanz lassen einen größeren Handlungsspielraum und ein gewisses Maß an Chaos zu.
Eine ergebnisorientierte Sichtweise verstellt den Blick für den Prozess und daher für das Wesentliche - die Qualität des Erlebens.
Die Auswahl geeigneter Bewohner/innen wird durch ein Aufnahmeverfahren sichergestellt:
Bewohner/innen mit einer mittleren bis schweren dementiellen Erkrankung, die ohne Hilfsmittel gehfähig sind, ein herausforderndes Verhalten aufweisen (ohne extreme Selbst- und Fremdgefährdung), zur Altersstruktur der Wohngruppe passen (mindestens 60 Jahre alt sind) und von dieser profitieren, können aufgenommen werden. Die Aufnahme von Persönlichkeiten mit einem erheblich anderen Lebensstil in diese Wohngruppe ist leider nicht möglich.
Die Neuaufnahmen in unsere Wohngruppe sind überwiegend hausinterne Aufnahmen. Nur in Ausnahmefällen werden Bewohner/innen von außen aufgenommen.
Liegt die genaue Diagnose einer Demenz vor, wird ein psychischer Befund für die/den Bewohner/in erhoben.
Das Aufnahmeverfahren wird wie folgt beschritten:
Dieses Vorgehen gewährleistet einen sanften Übergang in die Wohngruppe. Gleichzeitig ist es eine Prüfung, ob der/die Bewohner/in von der Gruppe profitiert und die Gruppe nicht unter diesem/dieser Bewohner/in leidet.
Die Wohngruppe umfasst zwölf Bewohner/innen und einen Tagesgast.
Direkt von außen in die Wohngruppe werden nur in Ausnahmefällen Bewohner/innen aufgenommen.
Ob ein/e Bewohner/in aufgrund von Bettlägerigkeit oder erhöhtem Pflegebedarf in einen anderen Wohnbereich verlegt wird, ist eine Einzelfallentscheidung.
Nach vier Wochen Bettlägerigkeit oder erhöhtem Pflegebedarf findet im Team eine Fallbesprechung statt, um die Situation zu reflektieren und das weitere Vorgehen zu besprechen.
Das Ziel ist das Aufrechterhalten der Wohngruppenkonzept und es ist in regelmäßigen Abständen zu prüfen, ob dies in der aktuellen Bewohnerstruktur möglich ist.
Für jede/n Bewohner/in wird eine Biographie erstellt.
Ziel der Biographiearbeit ist es, Beschäftigungsmöglichkeiten aus den Lebensgewohnheiten abzuleiten, Impulse für die Milieugestaltung zu erhalten und den Wissenshintergrund zu den Bewohner/innen zu vergrößern, um Handlungen und Verhaltensweisen besser verstehen zu können.
Beim Aufnahmeverfahren für alle Bewohner/innen erhalten Angehörige durch die Heimleitung einen Bogen mit der Bitte, wichtige biographischen Daten aufzuschreiben.
Vor dem Einzug eines/einer neuen Bewohner/in findet ein Anamnesengespräch statt, das von der Wohngruppenleitung bzw. der direkten Bezugsperson geführt wird. Die Angehörigen erzählen dabei, über den geschriebenen Lebenslauf hinaus, wichtige Einzelheiten.
Bei externer oder interner Neuaufnahme von Bewohner/innen in die Demenz-Wohngruppe wird durch die direkte Bezugsperson im Anamnesegespräch ein überarbeiteter Biographiebogen zur Erweiterung der Biographie den Angehörigen ausgehändigt, bzw. mit den Angehörigen gemeinsam ausgefüllt. Gleichzeitig wird auf die Bedeutung von Fotos hingewiesen, die für die Erstellung der Biographie und eines Erinnerungsbuches unabdingbar sind.
Als Standard wird für alle Bewohner/innen im Haus Morgenstern eine ausführliche Biographie erhoben:
In der Demenz-Wohngruppe wird jeweils ein Tagesgast aus der Einrichtung betreut. Der Informationstransfer erfolgt zwischen der direkten Bezugsperson des Wohnbereichs im Haus und der Leitungskraft in der Demenz-Wohngruppe.
Für jede Bewohner/in liegt zwei Monate nach dem Einzug in die Demenz-Wohngruppe eine ausgearbeitete Biographie vor. Die Biographie ist auch ein wichtiger Bestandteil des Einarbeitungskonzepts für neue Mitarbeiter.
Die direkte Bezugsperson (Pate) trifft sich nach ca. drei Monaten mit den Angehörigen zu einem Resonanzgespräch, um zusammen die gemeinsame Zeit anzuschauen. In den Gesprächen wollen wir auch zukünftige Wege des/der Bewohner/in in der Wohngruppe betrachten.
Für die BewohnerInnen gestalten die MitarbeiterInnen ein gemeinsames Erinnerungsbuch mit Fotos aus früheren Zeiten.
Die Angehörigen stellen nach gegebener Möglichkeit eine "Erinnerungskiste" mit bedeutungsvollen Gegenständen zusammen.
Die direkte Bezugspflegeperson (Pate) ist für die Gespräche und die Erstellung der Biographie verantwortlich. Aus diesen Daten erstellt er/sie auch die Pflegeplanung.
Besonders bei Beschäftigungsangeboten muss auch die Biographie der Bewohner/innen berücksichtigt werden. Während für Männer eher ein Schreibtisch oder eine Werkelecke eingerichtet werden könnte, können Frauen über die Bereitstellung hauswirtschaftlicher Gerätschaften zu Tätigkeiten angeregt werden.
Betätigungen in diesem Bereich können sein:
Ideen zu Beschäftigungsmöglichkeiten, die aus der Biographiearbeit resultieren, werden für jede einzelne Bewohner/in zusammengestellt.
Die Gestaltung des Lebens- und Wohnbereichs zeichnet sich durch eine familienähnliche Abgeschlossenheit aus. Durch vertraute Einrichtungsgegenstände wie Sofa, Bücherregal, Hutständer etc. wird das Gefühl von Geborgenheit vermittelt, welches wiederum Sicherheit und Ruhe fördert.
Aktivitätsanregende Gegenstände wie ein Tisch mit Handtüchern, Eimer mit Besen und Schaufel, Schuhputzkiste, Obstschale mit Messer, Nähmaschine... werden zugänglich und unaufdringlich in den Bereich integriert.
Der Wohnbereich für dementiell erkrankte Menschen ist ein Teil von Haus Morgenstern, erbaut 1976. In der baulichen Umgestaltung berücksichtigen wir Kriterien, die die Wahrnehmung unterstützen:
Vom frühen Morgen bis zum späten Abend werden die Bewohner/innen von zwei Mitarbeitern/innen betreut. Die Versorgung in der Nacht übernimmt die Nachtwache von Haus Morgenstern.
Die MitarbeiterInnen der Wohngruppe haben eine gemeinsam abgesprochene Tagesstruktur, die sie jeweils an die aktuellen Bedürfnissen der Bewohner/innen anpassen.
Den Bewohner/innen der Demenz-Wohngruppe stehen folgende Angebote von Haus Morgenstern zur Verfügung:
In der Wohngruppe findet, von den Angehörigen gemeinsam ermöglicht, zusätzlich statt:
Unterstützend in der medizinischen Versorgung ist die Zusammenarbeit mit einer gerontopsychiatrischen Fachärztin.
Angehörige ermöglichen den Zugang zu Informationen, die für die Erinnerungsarbeit essentiell sind, um zu einer Verbesserung der Orientierungsfähigkeit und Identitätsbildung beizutragen. Ziel bei der Angehörigenarbeit ist es, sie als Bezugspersonen in das familiäre Binnensystem des Pflegeheims zu integrieren.
Das Angehörigenbord dient als Informationsplattform und befindet sich im Eingangsbereich der Demenz-Wohngruppe.
Angehörige werden über die Aktivitäten und Vorhaben der Wohngruppe mit Aushängen informiert und können ihre Beteiligung auf Listen eintragen. Dies erleichtert die Organisation spezieller Vorhaben. Falls keine Eintragungen erfolgen, werden einzelne Angehörige direkt angesprochen.ach Einzug des Bewohners, der Bewohnerin wird nach drei bis sechs Monaten ein Resonanzgespräch mit den Angehörigen geführt. Dabei werden die Erwartungen der Angehörigen mit den Erfahrungen abgeglichen und gemeinsam Wege gesucht, um eine allgemeine Zufriedenheit zu schaffen. Die Einzelgespräche zwischen Mitarbeiter/innen und Angehörigen finden nach vorheriger Terminabsprache statt.
Die persönlichen Fähigkeiten der Angehörigen werden mit einbezogen (z.B. Instrument spielen, Singen etc.), wenn sie sich in die Bewohnergruppe einbringen möchten. Verschiedene Materialien werden in einem "Therapiekoffer" zusammengestellt (Bälle, Bücher, Zeitschriften etc.), um Angehörigen ein Spektrum zu bieten. Wenn sich Angehörige in der Gruppe aktiv beteiligen, ist es wichtig, dass Mitarbeiter/innen ihre Beobachtungen in einem Gespräch den Angehörigen rückmelden.
(Feste und Feiern, Gartenaktivitäten, Musik, Singen etc.)
Jeden Dienstag findet eine Planungsbesprechung im Team statt. Dabei wird das Aktivitätsprogramm für die nächste Woche und Zuständigkeiten für die Materialbeschaffung festgelegt. Der Aktivitätsplan wird am Angehörigenbord ausgehängt und Angehörige können ihren Unterstützungsbeitrag eintragen oder werden gezielt von Mitarbeiter/innen angesprochen bzw. angerufen. Es werden in bestimmten Abständen Feedbackgespräche zwischen Angehörigen und Mitarbeiter/innen geführt.
Die Planung erfolgt im Team, wobei die Teilnahme von geeigneten Bewohner/innen als auch das Programm festgelegt wird. Organisatorische Rahmenbedingungen werden im Vorfeld geklärt (Auto, Öffnungszeiten etc.). Ein Aushang informiert die Angehörigen vier Wochen vor dem festgelegten Termin samt einer Liste, in die Angehörige sich als Begleitpersonen eintragen können. Falls keine Eintragungen erfolgt sind, wird eine Woche vor dem Termin telefonisch nochmals angefragt. Nach dem erfolgten Ausflug wird zeitnah über den Verlauf im Team reflektiert, um aus den Erfahrungen für die nächsten Vorhaben zu profitieren.
Für Angehörige ist es wichtig, dass sie Sicherheit vermittelt bekommen, welcher Rahmen ihnen zur Verfügung steht. Ohne Einschränkung können Angehörige die Bewohner/innen jederzeit besuchen. Da der Aufenthaltsbereich räumlich sehr begrenzt ist, erscheint es sinnvoll, wenn für den privaten Einzelkontakt das Privatzimmer des Bewohners, der Bewohnerin oder der "Außenbereich" (Terrasse, Eingangsbereich etc.) genutzt wird. Wer den Aufenthaltsbereich für den Kontakt vorzieht, sollte daher alle anwesenden Bewohner/innen "mit ins Boot" nehmen und gegebenenfalls Kontakte zulassen.
Um Bewohnern und Angehörigen die Orientierung und die persönliche Ansprach an die Mitarbeiter/innen zu erleichtern, tragen alle Pflegekräfte ein deutlich lesbares Namensschild.